E-Insights

16.10.2019

Warum wollen wir immer noch selbst fahren?

Es gibt noch keine vollautomatisch fahrenden Autos. Aber wenn sie mal da wären, würde sie jemand nutzen? Oder ist vielen Menschen wichtiger, das Steuer selber zu führen? Denn schon heute gäbe es viele Alternativen zum Selberfahren, aber die Menschen nutzen sie nicht. Warum?
Elektromobilität in Japan
Ist selbst fahren wirklich die versprochene Freiheit?

Grund 1 ist einfach: Weil wir müssen.

Wer auf dem Land lebt und am ökonomischen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen will, kommt nicht darum herum, selber ein Auto zu fahren.

Dies erklärt aber noch nicht jene Millionen von Menschen, die sich jeden Tag aufs Neue frisch-fröhlich in den städtischen Stau begeben. Die Gründe dafür sind komplex, die Faktoren schwierig auszuhebeln.

Grund 2: Selber Auto fahren ist Lifestyle

Das Auto ist ein fester Bestandteil einer traditionellen Kultur geworden, und als solcher über Jahrzehnte gewachsen und zementiert. Man denke an Werbeanzeigen aus den 50er-Jahren, wo ein Mann vom Steuer aus einer hübschen Frau zuwinkt.

Würde dieses Bild funktionieren, wenn er stattdessen im Zug oder Bus säße? Nein, denn weder der Zug noch der Bus würden ihm gehören. Zug und Bus sind auch keine beeindruckenden Statussymbole, selbst wenn der Passagier in der ersten Klasse sitzt.

Das Bild vom Mann im Sportauto, der von schönen Frauen belagert wird, würde auch nicht so gut funktionieren, wenn das Auto selbst fahren würde. Denn er hätte nicht die Kontrolle, er ist nicht aktiv, er wäre kein Mann.

Dieser Grund beginnt sich aufzulösen, denn für die jüngere Generation ist ein Auto genauso wenig ein Statussymbol wie ein Toaster.

Gund 3: Um die Kontrolle zu haben

Flugzeuge sind das sicherste Verkehrsmittel. Warum? Weil die Piloten die meiste Zeit gar nicht selber fliegen. Klar, wir sehen die Piloten. Sie begrüßen uns, wenn wir einsteigen. Aber danach? Dann übernimmt der Computer. Die Piloten machen so gut wie nichts, und das ist gut so.

Psychologisch funktioniert das Sicherheitsgefühl aber anders. Einer Maschine zu vertrauen ist nichts Natürliches, aber Gewohnheiten lassen sich ändern. Früher hatten sogar Fahrstühle jemanden, der sie rund um die Uhr bediente. Heute wäre dies ein absurder Anblick.

Grund 4: Lieber im Stau als im ÖV oder zu Fuss

Im Auto sitzt man im eigenen Universum. Und im Gegensatz zu Fussgängern und Velofahrern bekommt man vom Lärm und den Abgasen, die man erzeugt, nicht viel mit.

Besonders für Menschen mit leichten sozialen Phobien oder schlichter Misanthropie ist das Auto den öffentlichen Verkehrsmitteln vorzuziehen. Der Stau ist immer noch besser als einen überfüllten Zug mit nervigen Leuten zu teilen, die schmatzend Döner essen oder lautstark telefonieren.

Hier liegt es an Gesetzgebern und Stadtplanern, die Bedingungen zu verbessern. Wenn die Innenstadt sehr wenig oder gar keine Autos hat, wird sie für Velofahrer und Fussgänger attraktiver. Und wenn die öffentlichen Verkehrsmittel gut ausgebaut sind und häufig fahren, kann der nervige Typ mit seinem Döner wenigstens ein Abteil weiter weg sitzen.

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