E-Insights

24.10.2019

Ist Japan bei Elektro­mobilität vorne dabei? Ja und Nein.

Die Japaner haben eine hohe Affinität zu elektrischer Fortbewegung. Und japanische Automarken sind führend in Elektromobilität, aber vor allem in ausländischen Märkten. Denn die japanische Regierung hat eine andere Zukunft im Sinn. Eine, wo Wasserstoff die Hauptrolle spielt.
Elektromobilität in Japan
Nächster Halt, Land der aufgehenden Sonne.

Wenn Elektromobilität einfach sich elektrisch fortbewegen heisst, dann lieben die Japaner sie. Die elektrischen Transportmittel U-Bahn und Zug werden von Japanern deutlich mehr genutzt als in allen anderen Ländern.

Hochgezogen wird die Statistik zweifelsohne von Tokyo. In dieser stark verdichteten Stadt ist die U-Bahn schlicht die schnellste Art der Fortbewegung.

Aber auch landesweit sorgen die Shinkansen dafür, dass Züge als Transportmittel bevorzugt werden. Shinkansen sind ein Netz von Hochgeschwindigkeitszügen, die mit 320 km/h Autos und Inlandsflüge überflüssig machen.

Japan und Elektromobilität: eine theoretische Liebe.

Japanische Automarken wie zum Beispiel Nissan sind zweifelsohne führend in Elektromobilität. Der Nissan LEAF ist das meistverkaufte Elektroauto in Europa und weltweit. Dass die japanischen Automarken so stark auf Elektromobilität setzen, hat auch damit zu tun, dass der große Abnehmer China strenge Elektroauto-Quoten eingeführt hat.

2014 war Japan noch klar führend in Elektromobilität. Elektroautos waren 40% billiger als in Europa und die Ladeinfrastruktur war weiter entwickelt, wodurch Elektroautos privat genutzt wurden und direkt mit Verbrennern konkurrenzierten.

Seither ist das Land aber zurückgefallen. Die Nachfrage nach Elektroautos in Japan ist relativ tief und das Wachstum rückläufig. Dies allerdings auf hohem Niveau. Bereits 2016 gab es in Japan über 27’000 Ladestationen, rund 10’000 mehr als in Deutschland Anfang 2019.

Japan setzt auf Wasserstoff

Auf ausländischen Märkten – in China oder Europa – sind japanische Automarken führend in Elektromobilität. Die japanische Regierung hat sich aber für Brennstoffzellen entschieden.

40’000 Wasserstoff-Fahrzeuge will Japans Regierung bis 2020 auf seinen Strassen sehen. Bis 2025 200’000 Fahrzeuge und bis 2035 rund 800’000.

Diese Fahrzeuge dürften vor allem von Toyota kommen, denn dieser Autohersteller hat bisher stark auf Wasserstoff-Technologien gesetzt. Auch Honda hat bereits 2008 ein Wasserstoffauto vom Laufband gebracht.

Das Problem mit Wasserstoffautos ist aber eher die teure Infrastruktur. Elektrizität gibt es bereits überall, Wasserstoff nicht. Außerdem ist Wasserstoff schwierig zu handhaben und muss aufwendig komprimiert werden, um in einen Autotank zu passen.

Die Herausforderung ist allerdings vor allem ökonomischer Natur. Die Wasserstoff-Vision, wie sie das japanische Ministerium für Ökonomie, Handel und Industrie hat, ist teuer. Der Wasserstoff soll von Australien importiert und in das noch aufzubauende Tankstellennetz verteilt werden.

Wie Japan diese technische und vor allem finanzielle Herausforderung bewältigen wird, wird die Zukunft zeigen.

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