E-Insights

11.10.2019

Eine neue Generation –
Ein Gedanken­spiel

Von den 68ern bis zur Generation Y, jede Generation hat ihre Ambitionen, ihre Sorgen und ihre Träume. Kommt jetzt die Generation E? Ein Gedankenspiel...

Daten erzählen ja oft die interessantesten Geschichten. Diese Zitate aus den dahinter liegenden Studien lassen jedenfalls aufhorchen:


"Junge Leute wollen Smartphones, Computer und Fahrräder."

"Aktuelle Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zeigen, dass die Zahl junger Menschen, die in Deutschland einen Führerschein besitzen, seit Jahren kontinuierlich abnimmt."

"Jugendlichen ist der Zustand von Umwelt und Klima, das Bildungswesen und soziale Gerechtigkeit wichtiger als der künftige Job."


Spätestens seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts bekommt jede Generation ihren eigenen Namen. Über den Sinn und Unsinn bei der Namensgebung von Generationen (68er, Generation Golf, X, Y, Z) lässt sich durchaus streiten. Und bestimmt greifen breite Urteile nur unzureichend, um wirklich jedem einzelnen Individuum gerecht zu werden. Das wusste schon Monty Python.

Einen Versuch ist es dennoch wert. Nicht nur weil diese jungen Damen und Herren ja hoffentlich irgendwann mal unsere Rente bezahlen werden, sondern auch Verantwortung übernehmen in Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Kunst. Weil früher ja schließlich nicht alles besser gewesen sein kann, aber es trotzdem so einfach ist auf das Neue zu schimpfen, blüht wohl auch dieser Generation so ein Schicksal, mit Skepsis und Argwohn beobachtet zu werden.

Die aktuelle Generation Z (geboren ab Mitte der 1990er-Jahre) lebt in Europa jedenfalls in mehr Wohlstand und Sicherheit, als es je zuvor gab. Z ist dabei nur nach X, Y (Why?) logisch, auch wenn noch niemand weiß, wie es danach weitergehen soll. Gingen die 68er für eine offene, freie, gleichberechtigte Gesellschaft und freie Liebe auf die Straße, so verkörpert eine Bewegung wie Fridays for Future momentan wohl den Geist der Generation Z in Reinform. Sie engagieren sich für den Klimaschutz und die Einhaltung der Klimaziele, zu denen sich die Politik verpflichtet hat, auch wenn sie diese bisher aber nur halbherzig umsetzt oder gleich ganz verfehlt. Außerdem kämpft diese Generation weltweit für bessere Lebensverhältnisse und nachhaltigeres Wirtschaften, weg von der Wegwerfmentalität. Und dennoch reisen sie (gerne mit dem Flugzeug) häufiger und shoppen Kleidung, die nicht mal eine Saison hält und zu Dumpingpreisen produziert wurde. In Ordnung, mit Widersprüchen haben die anderen Generationen ebenfalls ihre Erfahrungen gemacht – insbesondere als Erwachsene, wenn hehre Ideale dann dem Alltag weichen.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob sich Generationen lediglich anhand von Geburtsjahrgängen definieren, und ob diese Buchstabierung nicht etwas altbacken wirkt. Wenn wir uns die Wucht betrachten, mit der die Jugend heute die anderen Generationen inklusive ihrer Eltern und Großeltern mitreißt, könnte es dann nicht sein, dass diese Rebellion trans-generational wird? Das Umdenken weg von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbarer Energie ist keine Erfindung der Jugendlichen. Science-Fiction, aber auch Science-Science befasst sich seit über 40 Jahren mit den Visionen vom Ausstieg aus dem Öl. Nicht zuletzt die Ölkrise in den Siebzigerjahren hat in Deutschland ein Bewusstsein dafür geschaffen. Aber erst der in unseren Breitengraden spürbare Klimawandel und die damit verbundenen Konsequenzen und Kosten veranschaulichen die Dringlichkeit eines Umdenkens, das nur zu gern von anderen Generationen verdrängt wurde. Und mit dem Blick auf den Tacho ist es höchste Eisenbahn.

E-Wandel
Eine Generation im E-Wandel.

Wandelt sich die Generation Z hin zur Generation E? So könnte sie aussehen:

Hypervernetzt wie noch keine vor ihr mit dem gesamten Wissen der Menschheit auf Knopfdruck – leider auch mit so viel Desinformation und Verschwörungstheorien wie nie zuvor. Der Aktivismus von Online-Plattformen mit hunderttausenden Followern entfesselt neue Kräfte zum außerparlamentarischen Diskurs und Protest auf den Straßen der Republik.

Agiles Arbeiten und flache Hierarchien wie von der Startup-Kultur geprägt, mit genug Zeit für sich und seine Freunde. Kurzfristige Kooperationen zum Expertise-Austausch werden dank vielfältigen Technologien unkomplizierter und dabei schwindelerregend schnell.

Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen schreibt die Generation E groß. Bei der bewussten Ernährung, aber auch in der Freizeitgestaltung, wo Flugreisen CO2-kompensiert werden, Secondhandmode gekauft und generell Erlebnisse Priorität genießen – noch vor Geld und Konsum.

5G Breitband und autonomes Fahren mit flexiblen Car-Sharing Optionen lassen den Autobesitz wie einen Anachronismus wirken. Wenn sie nicht im Home Office sind, beginnen Nicht-Städter der Generation E schon in den Fahrzeugen mit der Arbeit, während Städter nur noch sehr selten in den vom Auto befreiten Innenstädten mit dem Fahrrad oder ÖPNV zum Arbeitsplatz fahren.

Wer weiß, ob die Generation E nochmal so eine Fülle an herausragenden Musikern mit unvergesslichen Klassikern und Woodstock hervorbringt, aber das ist natürlich wirklich Geschmacksache...

Diese Liste soll nur ein mögliches Szenario skizzieren und viele andere bleiben denkbar, auch weniger erfreuliche. Die Generation E wäre nicht die erste, die nicht alle ihrer Ideen zur Weltverbesserung erfolgreich umsetzen kann. Andererseits haben besonders die 68er unsere Zeit stark und nachhaltig geprägt, wie es zuvor wohl für wenig vorstellbar gewesen sein dürfte.

Wenn die Generation E an ihrer Utopie einer nachhaltigen, CO2-neutralen Welt festhält, wäre es geradezu fahrlässig, ihnen und damit uns allen alles Gute zu wünschen. Besser ist es wohl für jeden, aktiv daran mitzuwirken, diese Welt zur Realität zu machen – unabhängig vom eigenen Geburtsjahrgang.

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