E-Insights

15.10.2019

Was, wenn niemand mehr fährt? Die kommenden Evolutions­stufen selbst­fahrender Autos.

Was, wenn niemand mehr fährt? Viele Firmen und auch Universitäten investieren in selbstfahrende Autos. Was wir erleben werden, ist eine stufenweise Teilautomatisierung. Bis aber wirklich niemand mehr selber fährt, dürfte es noch länger gehen.
Selbstfahrende Autos sind nicht gleich selbstfahrende Autos. Es wird zwischen verschiedenen Stufen von selbstfahrend unterschieden, von 0 (überhaupt nicht) bis 5 (vollständig). Und genau diese Evolutionsstufen werden selbstfahrende Autos in den nächsten Jahren durchlaufen.

  • Stufe 0: NUR FAHRER
    Nichts ist automatisiert. Der Mensch steuert sowohl Gaspedal als auch Steuerrad. Bestenfalls regelt eine Automatik die Gangschaltung oder das Auto piepst beim Parkieren. Auf dieser Stufe sind wir die letzten 100 Jahre lang steckengeblieben.

  • Stufe 1: ASSISTIERT
    Der Fahrer steuert, aber das Auto erkennt am vorherfahrenden Auto von selbst, wie schnell es fahren muss. Dies funktioniert zum Beispiel auf der Autobahn.

  • Stufe 2: TEILAUTOMATISIERT
    Der Mensch kann sich streckenweise zurücklehnen, muss das System aber immer überwachen und bereit sein, die Steuerung sofort übernehmen zu können.

  • Stufe 3: HOCHAUTOMATISIERT
    Die Fahrerin sollte zwar potenziell eingreifen können, muss aber nicht mehr ständig auf das Auto konzentriert sein. Sie kann getrost nebenbei eine Netflix-Serie schauen.

  • Stufe 4: VOLLAUTOMATISIERT
    Ein vollautomatisiertes Auto braucht eigentlich keinen Fahrer mehr, außer bei bestimmten Situationen, zum Beispiel beim Parkieren oder bei starkem Schneefall.

  • Stufe 5: FAHRERLOS
    Reinsitzen, schlafen, aufwachen, am Ziel. Es ist wie mit einem persönlichen Chauffeur.

  • Stufe 6: KNIGHT RIDER
    Das Auto fährt nicht nur ohne dich, es macht die Einkäufe auch selber.
Selbstfahrende Autos
Wie lange bleiben selbstfahrende Autos noch ein Traum?

Selbstfahrende Autos sind noch Zukunftsmusik

Stufe 6 haben wir zugegebenermaßen frei erfunden, wobei sie in sehr ferner Zukunft durchaus denkbar wäre. Aber auch die offiziellen Stufen 2 bis 5 sind noch größtenteils Science Fiction.

Warum eigentlich? Weil ein Computer nur bekannte Situationen meistern kann. Das ist vorerst am ehesten auf der überschaubaren Autobahn der Fall, und zwar bei niedrigen Geschwindigkeiten mit dem Stauassistenten.

Auf kurvigen Landstraßen oder gar in der Innenstadt sind selbstfahrende Autos ausgeschlossen. In der Innenstadt mit ihren telefonierenden Fußgängern oder draufgängerischen Velofahrern sind die Situationen zu komplex.

Auf kurvigen Landstraßen ist Voraussicht erforderlich, um zum Beispiel abschätzen zu können, ob ein Lastwagen oder Motorradfahrer um die Kurve kommen könnte. Für die höheren Evolutionsstufen selbstfahrender Autos bräuchte es also einen regelrechten Entwicklungssprung, und diesen sehen viele Forscher in der Schwarmintelligenz.

Schwarmintelligenz: die nächste Evolutionsstufe

Schwarmintelligenz bedeutet, dass ein einzelnes Auto des Schwarms mit allen anderen Autos Informationen austauscht. Dies zunächst auf der Lernebene: Wenn ein Auto einen Fehler macht oder eine Situation erfolgreich bewältigt, lernen alle anderen Autos auch daraus.

Diese Schwarmintelligenz ist ein gewaltiger Unterschied zu Menschen, die einzeln in die Fahrschule gehen müssen und mit der Erfahrung aus Fehlern dazulernen.

Vor allem interessant ist die Schwarmintelligenz aber in Echtzeit: Die Autos tauschen untereinander Informationen aus, die ganze Zeit. Jedes Auto weiß von allen anderen, wo es ist und wohin es will. Es gibt keine Überraschungen und Situationen lassen sich vorausberechnen.

Weniger Staus, weniger Unfälle

Der Austausch von Informationen funktioniert aber am besten, wenn alle Autos vom selben Computer kontrolliert würden. So ließe sich auch Stau reduzieren, denn alle Autos könnten gleichzeitig anfahren. Die Verzögerung, die es gibt, weil man beim Anfahren auf das Auto vorne warten muss, verschwindet. Individualverkehr gäbe es mit einem solchen zentralen Computersystem allerdings nicht mehr. Dafür auch keine Unfälle.

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